Stress: Ursachen & Bewältigung

Stressbelastung und Stresskompetenz

Stress: Ursachen & Bewältigung

Das Wort „Stress“ kommt aus dem Angelsächsischen und bedeutet „Belastung“, hat also noch keinen Hinweis auf etwas Negatives oder Positives. Unter Belastung entwickeln wir Muskeln und starke Knochen, wir lernen Ausdauer und Standfestigkeit und Belastung fördert unsere Leistungsfähigkeit.

Was also führt dazu, dass Belastung (eben Stress) zu Verkrampfung, zu Schmerz, zu Verzweiflung und Depression führen kann? Ist es der Einfluss von außen, der Distress verursacht oder entsteht Distress erst, wenn er auf unsere innere „Beschaffenheit“ trifft. Damit will sich dieses Kapitel befassen, denn Stress, Stressauslöser, Stressfaktoren und Stresssituationen und deren Bewältigungsmöglichkeiten sind vielfältig und sollten gemeinsam betrachtet werden.

Was ist Stress?


Stress ist in unserer hektischen veräußerlichten Zeit ein Symptom mit weltweiter Verbreitung und einer Vielzahl von Erscheinungsformen. Bereits im Jahre 1956 wies der Mediziner und Biochemiker Hans Selye*), der als „Vater der Stressforschung“ bezeichnet wird, in seiner Publikation „The Stress of Life“ darauf hin, dass es unterschiedliche Formen von Stress gibt – unterschiedliche Stressoren, unterschiedliche Stressreaktionen und natürlich unterschiedliche Stresssymptome. So spricht Selye von „Eustress“, also gutem oder glücklichem (Eu) Stress und von „Distress“, d.h. jenem Stress, den man normalerweise unter diesem Begriff versteht, nämlich eine Qual und ein Ärgernis, wodurch das Wohlgefühl im Alltag beeinträchtigt wird.

Eustress wäre zum Beispiel, wenn wir eine uns zur Freude gewordene Arbeit trotz knapper Zeit so schnell wie möglich erledigen wollen, um einen lieben Menschen zu überraschen.

Jedoch auch ein sehr großes Glücksgefühl kann zur Ausschüttung von Stresshormonen führen; das erkennt man an den Körperreaktionen, wie erhöhter Puls oder Rötung im Gesicht – auch der Atem kann sich unter Eustress verändern.

Demgegenüber ist der Distress eine höchst unangenehme Wahrnehmung, die oft zu Ärger, Ablehnung, innerem Widerstand, Reizbarkeit und sogar zu Depressionen führen kann.

*) Hans H.B. Selye; Österreich-Ungarischer-Kanadischer Mediziner, Biochemiker und Hormonforscher; (1907-1982); Werke: The Stress of Life (1956), Hormones and Resistance (1971), Textbook of Endocrinology (1947)

  • Die Corona-Pandemie hat in allen Bereichen viel Stress verursacht

    Der Stress der Gegenwart

    Man hat festgestellt, dass nach dem Beginn der Covid-19 Pandemie im Frühjahr 2020 das stressbedingte Knirschen in der Bevölkerung deutlich zugenommen hat. An Forschungsinstituten in Israel und Polen wurde ermittelt, dass es nach Beginn der Pandemie mit ihren massiven familiären und beruflichen Einschränkungen zu einem signifikanten Anstieg von Kieferschmerzen und Kiefergelenk-Schmerzen sowie zu Verspannungen in den Gesichtsmuskeln kam, die auf den erhöhten Stress und Ängste zurückzuführen waren**).

    Es wurde ein Anstieg von Kiefer-Beschwerden von 35% auf 47% festgestellt. Die Teilnehmenden der Umfrage klagten über verstärktes Kieferknirschen am Tag und Knirschen und Pressen in der Nacht mit zunehmender Verschlimmerung der Symptome.

    Verständlicherweise verändern die globalen Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine, die Energieunsicherheit, die lauernde Arbeitslosigkeit und die massive Inflation die Lebenslage in sehr ähnlicher Weise, wie die Pandemie der vergangenen Jahre.

    **) „Temporomandibular Disorders and Bruxism Outbreak as a Possible Factor of Orofacial Pain Worsening during the COVID-19 Pandemic - Concomitant Research in Two Countries“; J. Clin. Med.; 2020, 9(10)

  • Stress resultiert auch aus der Angst vor einer ungewissen Zukunft. Die junge Generaton fürchtet sich vor der Übergabe eines zerstörten Planeten.

    Der Stress der Zukunft

    Geben wir uns keiner Illusion hin: Nicht nur die Gegenwart mit all ihren Aufgaben und Problemen, mit ihrem Zeitdruck und der alltäglichen Hektik, mit Mobbing, Ablehnung, Vorurteilen und ubiquitärer Diskrimination sind Stressverstärker und tragen zu entsprechenden Belastungsphasen bei. Auch die zweifelhaften Perspektiven unserer Zukunft schlagen sehr oft auf das Gemüt und können zu einem Gefühl der Hilflosigkeit oder Bedrohung und somit zu Dauerstress des Individuums führen.

    Gerade für Jugendliche und für Menschen am Start in ihre berufliche Karriere oder zur Gründung einer Familie, sowie auch eine bevorstehende Mutterschaft sind Eustress, der allmählich in Distress übergehen kann. Auch Ängste vor einem unsicheren Arbeitsmarkt, ganz zu schweigen von dem bedenklichen Ausblick der jüngeren Menschen auf den Klimawandel und seine Folgen – all diese Spannungen und Anspannungen bilden Stress und führen zu einer erhöhten Vulnerabilität, mit der sie erst einmal lernen müssen, umzugehen, ohne dass es sie körperlich und/oder psychisch krank macht. Es ist wahrlich eine enorme Herausforderung zur Stressbewältigung, also zur Kompetenzförderung.

  • Druck am Arbeitsplatz führt zu Stress

    Das deprimierende Arbeitsklima

    Jedoch ist es nicht nur das Klima unseres Planeten, das jüngeren Menschen zu schaffen macht, es sind auch das Arbeitsklima und das gesellschaftliche Gegeneinander, die so oft angesprochen werden und die sowohl Stressfaktoren als auch Risikofaktoren für die innere Balance und somit für die Gesundheit von Arbeitnehmern aller Altersgruppen sind. Insofern sind diese zunehmenden Stressreaktion auch Warnsignale für die ganze Gesellschaft, das gemeinschaftliche Klima und ihre Verhaltensweisen zu ändern.

Stressbewältigung: Therapien und Tipps


Stress ist also allgegenwärtig und zeitlos. Doch der Umgang mit Stress, das sogenannte Stressmanagement, ist nicht nur eine Aufgabe des Arztes oder des Therapeuten, sondern eine ganz besondere Herausforderung für diejenigen, die unter der Stressbelastung leiden. Denn das Zähneknirschen und Pressen und deren Folgen in Nacken, Schulter und Rücken sind wie Alarmsignale, die auf einen gesundheitsschädigenden Zustand aufmerksam machen möchten: „Erkenne dich selbst!“

Somit ist auch die Behandlung der Stressfolgen – gerade beim so berüchtigten Bruxismus und seinen Folgen, wie Kiefergelenkschmerzen, Kaubeschwerden, CMD (Craniomandibulärer Dysfunktion), Verspannungen der Hals-Wirbelsäule (HWS-Syndrom), migränoiden Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden, Tinnitus, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit usw. – ein Vorgang, der sich dem Problem von zwei Seiten nähern muss:

Es geht erstens um die kurzfristigen äußeren Sofortmaßnahmen, um stresshafte Beanspruchungen zu reduzieren und zweitens um die langfristige Gesundheitsförderung im Sinne der Sensibilisierung für die Ursachen negativer stressauslösender Beeinflussungen und somit der Stärkung von Körper und Geist.

Die äußere Therapie

Zahnärztliche Maßnahmen können nur bewirken, dass Zähne daran gehindert werden, zu knirschen und zu pressen und dass die Kiefermuskulatur möglichst entspannt bleibt oder durch Maßnahmen entspannt wird. Die Physiotherapie kann sehr viel dazu beitragen, indem Muskelverspannungen und sogenannte Myogelosen***) vom Kopf bis hinunter zum Becken gelöst werden. Diese physikalischen Therapien und Übungen unterstützen in sehr wirksamer und nachhaltiger Weise die Behandlung des CMD-Syndroms.

Doch diese äußerlichen therapeutischen Ansätze – wie physikalische Therapien und zahnärztliche Knirschschienen – eignen sich ausschließlich dazu, die Stress-Folgen, jedoch nicht deren Ursachen, zu behandeln! Und somit verändert sich nichts an der eigenen Stresskompetenz, d.h. an der inneren Haltung gegenüber äußeren Stressoren.

***) Myogelosen werden als „fixierter“ Zustand der Muskulatur angesehen, der durch Überanstrengungen und Fehlbelastungen entsteht. Daher sind Myogelosen häufig an Muskelpartien zu finden, die für die aufrechte Körperhaltung verantwortlich sind, wie z.B. an Rücken und Nacken.

Die innere Therapie – die Selbstanalyse

Diese ist auch in der Therapie von stressbedingten Kiefergelenks- und Gesichtsschmerzen von fundamentaler Bedeutung. Auch hier gilt der weise Ausspruch von Paracelsus, des legendären Arztes aus dem 15. Jahrhundert:

„Der Arzt verbindet nur deine Wunden. Dein innerer Arzt aber wird dich gesunden. Bitte ihn darum, sooft du kannst“!

Dies ist der Schlüssel auch in der Bewältigung von Verspannungen in Kopf und Rücken: Die innere Arbeit im Umgang mit dem Stress, der sich nun einfach nicht aus dem Leben wegzaubern lässt.

Präventive Maßnahmen der inneren Therapie

Es geht um zwei präventive Maßnahmen:

Die Verhaltensprävention. Sie betrifft das Verhalten des Einzelnen mit schwierigen Situationen im Leben oder am Arbeitsplatz. Die Verhaltensprävention besteht darin, gesundheitsschädliche Verhaltensweisen und psychische Anspannungen eigenverantwortlich zu minimieren, d.h. die betroffene Person ist gefragt, ihr Verhalten gegenüber bestimmten Situationen zu hinterfragen und eine Verhaltensänderung anzustreben.

Die Verhältnisprävention. Sie ist dagegen Gesundheitsprävention durch Optimierung der Arbeitsbedingungen, durch Ergonomie am Arbeitsplatz. Wie ist der Arbeitsplatz gestaltet? Wie sind die Arbeitsgeräte und die ganzen zwischenmenschlichen Abläufe im Betrieb? Was kann in Bezug auf Ergonomie, optimale Körperhaltung und psychische Belastung verbessert werden?

Es ist also Selbsterforschung angesagt, denn wenn man einmal genau darüber nachdenkt, dann gibt es objektiv eigentlich gar keinen Stress. Man macht sich Stress, z.B. durch extremen Ehrgeiz oder sehr hoch gesteckte Ambitionen, oder lässt es zu, dass andere einem Stress machen. Stress ist also nicht objektivierbar – nur seine Folgen sind es: Die Verkrampfung, die Ungeduld, das Herzklopfen, die Panik, die Wut und vieles Leidbringende mehr! Ja, Stress schlägt gar manchem auf den Magen und das bis zum Magengeschwür oder zur Erkrankung des Darms in Form einer ulzerösen Kolitis. Es hängt jedoch ganz und gar vom persönlichen Stressmanagement und der daraus folgenden Stresskompetenz jedes einzelnen ab. Das sieht man auch daran, dass es Menschen gibt, die in einer für andere äußerst stressauslösenden Situation völlig ruhig bleiben und nicht den Kopf oder ihre Fassung verlieren.

Also muss man seinen Stress-Ursachen auf den Grund kommen, und dies geschieht nur in der Selbstanalyse, eben: Erkenne dich selbst!“

Sollte jemand der Meinung sein, in einer bestimmten Stress-Situation jetzt besonders „Gas geben“ zu müssen, dann sollte gleich auf die Bremse getreten, einen oder mehrere Gänge zurückgeschaltet und kurz innegehalten werden, um zu ergründen, was gerade jetzt passiert. Oft genügen einige Sekunden schon, um durchzuatmen und konzentriert und zielbewusst weiterzumachen.

Fragen zur Selbstanalyse

Es ist sinnvoll, den folgenden beispielhaften Fragen nachzugehen:


  • Warum lasse ich mich stressen und was stresst mich in einer bestimmten Situation?

  • Was will mir diese Stress-Situation sagen und was kann ich daraus lernen?

  • Was sind meine Ängste – warum lehne ich diese Situation ab?

  • Wem will ich es recht machen und wer macht mir Druck und warum?

  • Vor wem möchte ich gut dastehen und warum?

  • Wie genau heißt der Stress, dem ich unterliege und was hat zur Entwicklung dieses Stress beigetragen?

  • Was sollte anders sein? Was kann ich ändern?

  • Wo kann ich Hilfe holen? Warum traue ich mich nicht, um Hilfe zu bitten?

  • Wen kann ich um Hilfe bitten – warum traue ich mich nicht?

  • Wie ist der Stress entstanden? Was habe ich selbst dazu beigetragen?

  • Mache ich meinen Mitmenschen ähnlichen Stress und Druck im Leben und warum?

  • Möchte ich das Alpha-Tier sein und andere dominieren?

  • Oder sehe ich mich eher als das „schrumpfende Veilchen“ ohne Selbstvertrauen und inneren Halt – und warum? Wer ist schuld daran?

  • Sollte ich jemanden um Vergebung bitten oder jemandem vergeben?



Diese oder ähnliche Frage sollte man sich einmal selbst stellen. Doch die Antworten darauf müssen ehrlich und selbstkritisch sein, d.h. man sollte sich nicht in die eigene Tasche lügen und sein Verhalten beschönigen – sonst geht das „alte Leiden“ immer weiter bis zu Kaubeschwerden, Kiefergelenk-Knacken, Druck auf den Schläfen, Migräne-Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, nächtlicher Atemnot, Trigeminusneuralgie, Tinnitus, Verzweiflung und – schließlich zu Krankheit und Depression.

Entspannung, Abschalten und zur Ruhe kommen


Zum Beispiel abends, wenn der Tag zu Ende geht und man eine Stress-Situation „von außen“ mit etwas Distanz betrachten kann, sollte ganz ruhig – und auf das Erlebte fokussiert – Rückschau gehalten und im Inneren Ordnung geschaffen werden. Es ist eine Art Bewertungsprozess für den vergangenen Tag.

Dazu muss man jedoch auch im Äußeren erst einmal zur Ruhe kommen und den „stürmischen Sympathikus“ herunterfahren.

  • Geplagt von Stress? Ein Spaziergang in der Natur, besonders im Wald, führt zur Entspannung und gibt Energie

    Die Natur ist Energie pur

    Draußen in der Natur, unter einem weit ausladenden Baum oder an einem leise plätschernden Bach, aber auch in der Wohnung in einer stillen Ecke mit einer Kerze gelingt es manchem schneller, im Inneren stille zu werden und den Tag mit seinen Ereignissen Revue passieren zu lassen. Wenn dann bei einer solchen Entspannungsübung die hektischen und lauten Tagesgedanken abklingen und der Puls sich beruhigt hat, kann die Frage nach dem „Warum“ des gestressten Befindens nach innen gestellt werden, und dann wird zu gegebener Zeit eine Antwort, ein Gefühl oder auch ein Bild empordämmern, das aus dem Inneren spricht – wenn es zugelassen wird. Man kann es nicht anfordern, man muss warten können und dann annehmen, was kommt – mit Geduld! Auch wenn es dauern mag, die Antwort kommt – immer! Manchmal sehr unbequem, aber lehrreich.

  • Bei Stress und seiner Bewältigung ist Meditation (Verinnerlichung) zur Selbsterkenntnnis von großem Wert.

    Verinnerlichung zur Selbsterkenntnis

    Eine weitere Entspannungsmethode ist die Meditation, und auch sanfte Musik kann helfen, um in die Stille zu finden, ohne die eine wahre Selbsterkenntnis kaum möglich ist. In der Selbsterkenntnis jedoch wächst jedermann über das kleine, immerfort frustrierte und gestresste Ego hinaus, und Stress-Situationen aller Art werden seltener und sind auch schneller erkannt und behoben.

    Dies ist die Hilfe des „Inneren Arztes und Therapeuten“ in jedem Menschen – wenn er oder sie ehrlichen Herzens darum bittet.

  • Selbsterkenntnis bei Stress wird zum Erlebnis. Es öffnet sich eine Lotusblüte im Inneren.

    Die Lösung des Problems liegt im Inneren

    Beim Stress mit seinen Folgen gilt also, wie bei allen Problemen des Lebens: Man löst sie von außen und innen, hier also einerseits z.B. mit Hilfe der wirksamen Knirschschiene NiteSkater© und physiotherapeutischen Maßnahmen – und andererseits mit Arbeit an sich selbst!

    Dieses Vorgehen kann nur zum Erfolg führen!