Knirschschienen

Knirschschienen: Definition, Modelle und Unterschiede

Knirschschienen

Knirschschienen - Eine verwirrende Vielfalt

Knirschschienen sind weit verbreitet. Sie werden auch Knirscherschienen, Nachtschienen, Zahnschienen, Bissschienen und Bissplatten, Beißschienen Okklusionsschienen, Aufbissschienen, Myozentrikschienen, Aufbissbehelfe, Miniplastschienen, Michiganschienen, Repositionsschienen, Anti-Bruxismus-Schienen und weiteres genannt. Sie werden entweder vom Zahnarzt angefertigt oder über den Ladentisch in Drogerien oder auf Internet-Portalen verkauft.

Es erhebt sich bei vielen Knirschern die Frage, ob es denn nicht genügt, mit einer kostengünstigen Aufbissschiene aus einem Internetshop das Knirschen zu verhindern, anstatt sich einer teuren zahnärztlichen Behandlung zu unterziehen. Dazu ist es wichtig zu wissen, was diese frei verkäuflichen Aufbiss-Behelfe bewirken können und was nicht.

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    Freiverkäufliche Knirschschienen & Alternativen

    Gleich vorweg: Alles, was man als Massenprodukt an sog. Knirschschienen kaufen kann, sind eigentlich keine wirklichen Mittel gegen Bruxismus und CMD, denn sie können bestenfalls das Knirschen reduzieren, nicht jedoch das Zusammenpressen der Zahnreihen. Es sind eher Schutzfolien oder Schutzpolster, die einen Abrieb auf den Zähnen vermeiden sollen, sodass die Knirsch- und Presskräfte keine Schäden an Zahnschmelz oder Füllungen verursachen.

    Insofern haben sie eine gewisse Berechtigung, denn es ist gewiss billiger, alle paar Monate oder Jahre eine neue Knirscherschiene zu kaufen, als teure Reparaturen an Zähnen oder Zahnersatz vornehmen zu müssen. Natürlich soll auch das lautstarke nächtliche Knirschen verhindert werden, um dem „Nachbar“ einen ungestörten Schlaf zu ermöglichen.

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    Tiefziehfolien - Miniplastschienen

    Auch laborgefertigte Tiefziehfolien, sogenannte Miniplastschienen, als Oberkieferschiene oder Unterkieferschiene, die auch als nicht adjustierte Knirschschienen bezeichnet werden und die nur eine 0,5 bis 1mm dicke Kunststoffschicht über die Zahnreihen legen, sind KEINE therapeutischen Anti-Bruxismus-Schienen.

    Sie haben weder eine effektive Frontzahn/Eckzahnführung und bewirken daher keine Disklusion (Trennung) der Seitenzähne. Sie unterliegen den anhaltenden Presskräften, was meist sehr bald zum Bruch führt. Auch reduzieren sie die Kieferschmerzen kaum und entlasten die Kiefergelenke nicht. Dennoch gehören sie wohl zu den am meisten verschriebenen Zahnschienen. Zugute halten könnte man höchstens, dass sie den parafunktionellen Abrieb auf den Zähnen reduzieren und so das Gebiss in gewisser Hinsicht schützen.

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    Laborgefertigte adjustierte Knirschschienen

    Knirschschienen, die tatsächlich eine Anti-Knirsch-Funktion haben sollen, müssen im zahntschnischen Labor in einem Artikulator, d.h. in einer Art Kiefer-Simulator, in Kunststoff aufgebaut werden und berücksichtigen die beim Knirschen so wichtige Frontzahn- und Eckzahnführung. Daher werden labofgefertigte Knirscherschienen auch adjustierte Knirscherschienen genannt.

Echte Knirschschienen

Das grundsätzliche Problem bei Bruxismus und CMD liegt darin, dass es aus zwei sehr unterschiedlichen Komponenten besteht: Dem Knirschen einerseits und dem Pressen andererseits.

Indem das Knirschen beseitigt wird, wird nicht automatisch auch das Pressen verhindert. Daher zeigt sich so oft keine Besserung im Leiden von Knirschern, obwohl sie nachts eine Knirschschiene tragen, denn das Zusammenpressen der Zähne in der Schlussbissstellung bleibt bestehen und die Kieferschmerzen nehmen eher zu.

Knirschschienen gegen Zähneknirschen

Anti-Knirschschienen, die den Namen zu Recht tragen, haben die in den 1960-er Jahren von Ash und Ramfjord an der «University of Michigan» beschriebene Anti-Knirsch-Schiene zum Vorbild, die ihrer Herkunft wegen eben den Namen Michigan-Schiene trägt. Sie ist die bekannteste und am meisten verbreitete Form der adjustierten Knirscherschiene.

Die adjustierten Knirschschienen werden in hartem Kunststoff vom Zahntechniker auf einem Gipsmodell hergestellt und so geformt, dass die Front- und Eckzähne bei den Gleitbewegungen des Unterkiefers die Seitenzähne voneinander trennen (= diskludieren). Diese Konstruktion nennt sich „Front- und Eckzahnführung“ und funktioniert wie die Kupplung in einem Auto, wo die Zacken der Zahnräder im Getriebe erst verschoben werden können, wenn sie voneinander getrennt wurden, denn sonst würde es im Getriebe kratzen – oder eben knirschen. Mit dieser Frontzahn-„Kupplung“ wird das Knirschen auf den Backenzähnen effektiv verhindert, jedoch nicht das viel kraftvollere und daher schmerzhaftere und folgenschwerere Zusammenpressen der Backenzähne.

Auch eine aufwändige Funktionsanalyse, welche die zentrale Position der Kieferköpfchen (Condylen) und die Bewegungen in ihren Gelenkpfannen (Fossae) ermittelt, kann dieses Zusammenpressen der Kauflächen nicht verhindern.

Repositionsschienen sind eine weitere Form der Schienentherapie. Sie haben zum Ziel, den Unterkiefer in eine neue Lage zu schieben, um z.B. durch Fehlstellungen von Zähnen verlagerte oder komprimierte Kiefergelenke wieder in ihre korrekte Position zu bringen. Sie sind also weit aufwändiger und komplizierter in ihrer Anfertigung als Michigan-Schienen, und verlangen wesentlich mehr Aufwand vom Zahnarzt zur Ermittlung der sog. „zentrischen Relation“. Sie haben jedoch ebenfalls keinen Einfluss auf das Pressen der Seitenzähne.

Aufbissschienen gegen Bruxismus (= Knirschen und Pressen)

Wäre das Zähneknirschen das Hauptproblem beim Bruxismus, dann wären diese üblicherweise als Ganzkiefer-Apparatur konstruierten Anti-Knirschschienen als zahnmedizinische Maßnahme weitgehend die Lösung des Problems. Das sind sie jedoch erfahrungsgemäß nicht!

Warum? … mögen sich manche fragen, wenn doch gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen die Leistungen zu dieser Art von Schienentherapie erstatten.
Hier ist die Antwort: Der gravierendste Faktor bei Bruxismus und CMD ist das Zähnepressen, nicht das Knirschen, und dieses findet auch auf den Kunststoffflächen der unterschiedlichsten Ganzkiefer-Bissplatten mit der gleichen Kraft statt.

Die Lösung liegt daher in Knirschschienen, welche die Seitenzähne im Oberkiefer und Unterkiefer völlig voneinander trennen, sodass diese sich weder in den Seitbewegungen (Knirschen) noch in der zentralen Schließposition (Pressen) berühren können. Die einzige Abstützung der beiden Kiefer kann dann folgerichtig nur auf den Schneidekanten der Frontzähne sein.

Der andere Therapieansatz - der Nite Skater©

Die Knirschschiene Nite Skater© verfolgt diesen völlig andersartigen Therapieansatz. Hier wird in erster Linie angestrebt, die oberen Backenzähne von den ihnen gegenüberliegenden unteren Backenzähnen, also ihren Antagonisten, fernzuhalten und somit allfällige Presskräfte auf die Frontzähne zu verlagern.

Dabei kommt die Natur großartig zu Hilfe, weil das Nervensystem (Trigeminus) über eine Rückkoppelung durch sogenannte Propriozeptoren fein darauf abgestimmt ist, keine zu großen Belastungen auf die schlanken und kleinen Schneidezähne zu erlauben. Die Reduktion der Beißkräfte im Frontzahnbereich ist daher um ca. 75% geringer als auf den Mahlzähnen. Man kann das mit einem alten Bleistift selbst einmal ausprobieren.

Mit dieser auf den Schneidezähnen abgestützten Anti-Knirschschiene, die ihrer kleinen Größe wegen auch Mini-Knirschschiene genannt wird und in unserer Praxis als Nite Skater© entwickelt und bekannt geworden ist, wird der Druck sofort von den Mahlzähnen und der Muskulatur weggenommen, der Trigeminusnerv ganz allmählich von seinem Krampf-Habitus umprogrammiert und somit wird eine gesamthafte Entspannung in der Kiefermuskulatur und im ganzen Kopf-Nacken-Schulterbereich erreicht.

Funktionsweise der Knirscherschiene Nite Skater©

Beim Nite Skater© rutschen die Schneidezahnkanten störungsfrei auf einer Mini-Gleitschiene hin und her – sie benötigen also keine Eckzahn- oder Frontzahnführung. Diese Frontzahn-gestützte Mini-Knirscherschiene wird direkt am Patienten angepasst und erfordert keine Abdrücke und Modelle, wie bei anderen Knirscherschienen.

Diese Knirschschiene wird in der Anfangszeit (ca. 2 Monate) regelmäßig nachts getragen. Im Laufe dieser Zeit programmiert sich die Muskulatur neu, „vergisst“ sozusagen das alte Muster, und der Nite Skater© kann dann nach Bedarf bei Stress-Spitzen und nach eigenem Ermessen eingesetzt werden.