Kieferschmerzen

Kieferschmerzen: Wo kommen sie her – Was kann man dagegen tun?

Kieferschmerzen

Der Begriff „Kieferschmerzen“ ist sehr weitläufig. Kieferschmerzen können in oder am Knochen entstehen, z.B. bei Entzündungen (Ostitis, Osteomyelitis, Sinusitis), sie können aber auch von Zahnnerven (Pulpitis), vom Zahnstützgewebe (Gingivitis, Parodontitis), vom Trigeminusnerv und vom Facialisnerv (Neuralgie) und besonders von der komplexen Kiefer- und Gesichtsmuskulatur ausgehen, worunter vor allem die Kaumuskulatur fällt. Natürlich können auch Kieferbrüche im Ober- und Unterkiefer sowie an den Kiefergelenken Schmerzen verursachen.

Besonders bekannt sind Kieferschmerzen bei temporo-mandibulären Kieferverspannungen auf Grund von Zähneknirschen und Pressen, bei welchem die Kiefermuskulatur chronisch überbelastet wird.

Kieferschmerzen ausgehend von Zahnschmerzen


Nicht immer wird der Schmerz, der von einem einzelnen Zahn oder von einer Zahnreihe ausgeht, als Zahnschmerz wahrgenommen, sondern oft als Oberkiefer- oder Unterkiefer-Schmerz oder gar als Gesichtsschmerz interpretiert. Solche Kieferschmerzen können umschrieben vorkommen, also auf ein paar Zahnabschnitte begrenzt sein, sie können sich jedoch auch als Kieferschmerzen mit undefinierbarem Schmerzort manifestieren.

Lokalisierte Kieferschmerzen

Dieses Thema ist wohl den meisten aus eigener Erfahrung bekannt. Schon im frühen Kindesalter beginnen die ersten Beschwerden im Kiefer, wenn die Milchzähnchen sich anschicken, durchzubrechen und die ganzen Kieferchen, ja der ganze Mund, kann sehr schmerzhaft sein. Etwas später tritt Ähnliches erneut ein, wenn auch weniger schmerzhaft, beim Zahnwechsel.

Manchmal sind diese Kieferbeschwerden beim Zahndurchbruch so schmerzhaft, dass die Kleinsten eine ganze Nacht durchschreien können, weil nicht einmal schmerzlindernde Salben das langsam aufbrechende Zahnfleisch beruhigen können. Aber es ist ein natürlicher Vorgang, und er geht nach kurzer Zeit wieder vorüber. Man könnte es auch als den ersten Häutungsprozess verstehen – ein Reifungsprozess vom Säugling zum Kleinkind.

An diesem Beispiel sieht man, dass nicht alle Kieferschmerzen von den Zähnen ausgehen, denn gerade beim Zahnen ist es das durchbrochene Zahnfleisch, was die diffusen Schmerzen verursacht, so wie manchmal auch 20 Jahre später der Durchbruch der Weisheitszähne.

Natürlich empfindet der Mensch auch das entzündete Zahnfleisch (Gingiva) oder Stützgewebe (Parodont) als Schmerz im Kiefer, denn der betroffene Kieferabschnitt wird berührungsempfindlich und ist beim Kauen nicht mehr belastbar, es kommt zu schmerzbedingten Kaufunktionsstörungen (Parafunktionen).

  • Zahn- und Kieferprobleme können zu sehr weit ausstrahlenden Kieferschmerzen führen

    Ausstrahlende Kieferschmerzen

    Werden entzündliche Prozesse in und am Zahn nicht behandelt, so dehnt sich das Geschehen allmählich in den umliegenden Knochen aus. Es entwickeln sich Granulome und Zysten, die auch zu Abszessen führen können, und sie sind dann unter Umständen nicht mehr lokalisierbar sondern betreffen einen ganzen Kiefer oder eine ganze Gesichtsseite.

    Ähnliches findet statt bei Nebenhöhlenproblemen, insbesondere bei einer Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis), deren Entzündungsschmerzen infolge der engen Beziehung zu den Oberkieferzähnen oft als Zahnschmerzen oder Kieferschmerzen wahrgenommen werden. Hier ist die genaue Differentialdiagnostik äußerst wichtig, damit nicht anstatt der Kieferhöhle ein Zahn behandelt wird. Auch ausstrahlende Schmerzen von einem verkrampften Massetermuskel (Wange) können sich bis zum Jochbein ausdehnen und Kieferschmerzen vortäuschen.

Kieferschmerzen ausgehend von Neuralgien


Eine ganz andere Art von Kieferschmerzen sind die Neuralgien. Eigentlich sind dies Nervenschmerzen und zwar scharfe, intensive Attacken, die einige Sekunden bis einige Minuten dauern können und fast immer an derselben Stelle und einseitig auftreten. Da die Nervenenden der Kopfnerven teilweise auch in Muskeln und in die Knochenhaut (Periost) sowie in die Muskelansatzstellen (Sehnen) einstrahlen, kann vielmals der Ursprung des Schmerzgeschehens nicht mehr bestimmt werden und es bleibt bei der Wahrnehmung von diffusen Kiefer- und/oder Gesichtsschmerzen.

  • Bei Gesichts-und Kieferschmerzen sind die drei Trigeminusäste beteiligt. Sie innervieren einen großen Bereich des Kopfes.

    Trigeminusneuralgie

    Am bekanntesten ist die Neuralgie des Nervus trigeminus, die gerade beim Bruxismus eine sehr unangenehme und stark beeinträchtigende Komplikation darstellen kann. Die Häufigkeit der neuralgischen Attacken variiert von Patient zu Patient. Sie werden oft durch Bewegungen und Krämpfe der Kaumuskulatur ausgelöst (Trigger), z.B. beim Kauen, Sprechen oder Schlucken. Die Behandlung des Bruxismus behandelt jedoch nicht die Trigeminusneuralgie, aber sie reduziert die Gefahr von Schmerzpunkten und Triggerfaktoren, also Auslösern der Neuralgie. Die Behandlung der Trigeminusneuralgie gehört in die Hände des Neurologen, des Facharztes für neurologische Störungen.

  • Facialisneuralgie

    Eine Neuralgie des Nervus facialis, des eigentlichen Gesichtsnervs, entsteht durch verschiedene Einflüsse, worunter der interessanteste im Kontext der craniomandibulären Dysfunktionen sein dürfte, dass eine Kompression von Arterien durch umgebende Kopfmuskeln stattfindet, in deren Nachbarschaft der Nervus facialis verläuft. Da erwiesen ist, dass beim chronischen Zähneknirschen die gesamte Kiefer-/Gesichtsmuskulatur krampft, ist es durchaus vorstellbar, dass auch bei dieser Neuralgie ein Zusammenhang mit dem Zähneknirschen und Pressen bestehen könnte.

  • Viele Nerven umgeben das Ohr und strahlen aus in den ganzen Kopf. Das führt bei Bruximus oft zu Ohrensausen und Kieferschmerzen

    Auriculotemporalis-Neuralgie

    Die betroffenen Patienten leiden unter brennenden Schmerzen in der Schläfen-/Ohr-Region. Auch für diese Form der Neuralgie können craniomandibuläre Dysfunktionen ein Auslöser sein – manchmal genügt schon das bloße Kauen als Trigger –, denn der Nervus auriculotemporalis tritt unmittelbar vor dem Gehörgang aus dem Schädel in den großen Schläfenmuskel „Temporalis“ und in die Umgebung des Ohrs, was wiederum einen Tinnitus begünstigen kann.
    Mehr als 25 % der Einwohner der Industrieländer sind im Laufe ihres Lebens von Tinnitus betroffen*). In Deutschland nehmen über 15 % der Personen über 65 Jahren ständig und langdauernd Ohrgeräusche wahr.

    *) Survey des Robert Koch-Instituts 2003, zitiert nach Hörstörungen und Tinnitus. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 29 (2006).

Weitere Ursachen für Kieferschmerzen

Was oft den erholsamen Schlaf rauben kann, sind unklare, ausstrahlende Kieferschmerzen. Nachfolgend einige weitere Ursachen für Kieferschmerzen, die nicht von den Zähnen ausgehen.

Kieferschmerzen nach Trauma

Bei Kieferfrakturen, also Brüchen des Kieferknochens, auch bei Kiefergelenksbrüchen oder bei Stauchungen im Kiefergelenk, bei Gelenkkapsel-Zerrungen und Verletzungen der Knorpelscheibe können Kiefergelenkgeräusche auftreten und Schmerzen ausstrahlen, die nicht immer genau lokalisierbar sind, denn ein weites Geflecht an Nerven, gerade im Schädel-Gesichtsbereich, wird bei solchen traumatischen Zuständen in Alarm versetzt.

Kieferschmerzen durch Muskelkrämpfe

Dieses Thema interessiert besonders beim „Kieferknacken“, was eigentlich ein Kiefergelenk-Knacken ist, und bei weiteren Kiefergelenkstörungen, wie Bewegungseinschränkungen mit Kiefergelenkschmerzen, und craniomandibulären Dysfunktionen, denn verspannte und verkrampfte Kaumuskeln rauben schmerzbedingt den Schlaf, beeinträchtigen durch muskuläre Überspannungen im Hals/Luftröhrenbereich die nächtliche Atmung, führen durch Kompression von Kopfblutgefäßen zu Schwindelgefühl und enden leider nicht selten auch in einer Druck- und Geräuschbelästigung im Ohr (=Tinnitus: Klopfen, Klingeln, Rauschen und Sausen). Unbehandelt kann diese Art der Kieferschmerzen so stark werden, dass man sie als Migräne bezeichnet, obwohl sie keine klassische Migräne im Sinne der „Migraine accompagnée“ ist, eine solche jedoch – besonders unter Stress – auslösen kann.

Okklusionsstörungen, wie schlecht passende Füllungen oder Zahnersatz, Fehlstellungen einzelner Zähne oder Zahngruppen, Luxationen von Kiefergelenken („Aushängen“ des Gelenkköpfchens), Kieferfehlstellungen (wie Progenie, Offener Biss, Distalbiss oder Kreuzbiss) können zu massiven Verspannungen in der Muskulatur führen und resultieren dann in Schmerzen im Unterkiefer und/oder Oberkiefer.

Durch eine Funktionsanalyse und Überprüfung der Okklusion beim Zahnarzt und eine Knirschschienen-Therapie können solche schmerzhafte Muskelstörungen im ganzen Kieferbereich deutlich reduziert und somit auch komplexe Kieferschmerzen behoben werden. Gerade auch die Mini-Knirschschiene «NiteSkater©» wirkt diesen quälenden Muskelkontraktionen wirksam entgegen.

Auch Übungen anhand eines Trainingsplans zur Entspannung der Kaumuskulatur (z.B. Dehnungsübungen nach Liebscher-Bracht) oder physikalische Therapien (Lymphdrainage, Nervenpunkt-Behandlung, Cranio-Sacral- oder Gelosen-Therapie und Einreibungen), können sehr hilfreich sein, um craniomandibuläre (Kiefer/Kopf) und temporomandibuläre (Kiefer/Schläfen) Schmerzen zu reduzieren oder zu beseitigen.

  • Kieferschmerzen können auch durch eine Arthrose des Kiefergelenks verursacht werden

    Kieferschmerzen durch Arthrose

    Eine besondere Form der Kieferschmerzen bildet die degenerative Erkrankung des Kiefergelenks oder beider Kiefergelenke – die Arthrose, die gelegentlich auch als Ge-lenkverschleiß bezeichnet wird.

    Ursachen für eine Kiefergelenksarthrose können entzündliche rheumatische Schübe sein, aber auch der altersbedingte und/oder ernährungsbedingte Abbau des Kieferknorpels und der Gelenkscheibe.

    Eine sehr lange Überbelastung der Kiefergelenke durch Knirschen und Pressen, auch durch schlecht passenden Zahnersatz, der die Kieferköpfchen in eines traumatisierende Position zwingen (z.B. Kompressionen oder Distraktionen der Gelenkteile) können zu übermäßigem Abrieb des Gelenkknorpels führen und als ausstrahlende Schmerzen im ganzen Kiefer-Gesichtsbereich auftreten.