CMD: Craniomandibuläre Dysfunktion

CMD ist ein häufiges Phänomen in unserer hektischen Zivilgesellschaft.

CMD: Craniomandibuläre Dysfunktion

Unter Cranio-Mandibulärer Dysfunktion, oder CMD, versteht man das fehlkoordinierte Zusammenspiel der Muskulatur von Schädel, Kiefer und Kiefergelenken sowie der Wirbelsäule. Diese Fehlfunktionen, insbesondere des Gebisses, werden auch Parafunktionen genannt und bezeichnen ein Geschehen, das nicht der natürlichen Bestimmung entspricht, z.B. die stundenlange Anspannung der Kaumuskulatur.

  • Bei CMD und Bruxismus sind vor allem die kleinen KG-Muskeln an der Seitbewegung des Unterkiefers (z.B. beim Knirschen) beteiligt.

    Die normale Funktion der Kiefergelenke und der Kiefermuskulatur

    Während der normalen Funktion des Kauapparates werden die Kaumuskeln, wie z.B. die großen Temporalis und Masseter Muskeln, aber auch die tiefer liegenden kleinen Muskelstränge, wie der Pterygoideus lateralis (siehe Bild), zu Kontraktionen angeregt, für die sie in Lage und Größe angelegt sind und durch welche sie ihre Funktion beim Sprechen, Kauen und Schlucken einwandfrei erfüllen können.

Ursachen von CMD


Die Ursachen von CMD bestehen in der nicht wie oben beschriebenen naturgegebenen Belastung und Funktion der Gewebe, wie Zähne, Parodont, Kiefergelenke und Kaumuskulatur, sowie von Blutgefäßen und Nervenästen. Dadurch entwickeln sich Überbelastungen und Überreizungen in den genannten Geweben, die schließlich zu Kaufunktionsstörungen, schmerzhafter Kieferöffnung und ausstrahlenden Schmerzen im ganzen Kopfbereich führen können.

CMD-Ursache: Fehlfunktionen des Kausystems

Auslöser für „Para“-Funktionen, also Fehlfunktionen im Kiefer-Schädelbereich (eben craniomandibuläre Dysfunktionen), können Störkontakte an Zähnen sein, die nicht korrekt aufeinandertreffen und daher ein Hindernis im „Kaugetriebe“ darstellen – so, als befänden sich in einem Uhrwerk Zahnräder, deren Zahnkränze nicht richtig passen. Dies kann auch verursacht werden, wenn beispielsweise ein Weisheitszahn schief in die Mundhöhle hineinwächst und einen Störkontakt verursacht oder ein neuer Zahnersatz, wie z.B. eine Porzellankrone oder eine Füllung zu hoch ist und das Zusammenbeißen (die Okklusion) stört, was dann zu Kaufunktionsstörungen und Kiefergelenksbeschwerden führen kann.

Im Unterbewusstsein versucht das Kausystem, diesen Störfaktor in der Okklusion zu reduzieren oder so „einzuschleifen“, dass wieder ein stabiler Biss mit einer normalen Kaufunktion erreicht wird – es beginnt das „Zähneknirschen“ und „Reiben“ auf den Zahnflächen.

Diese Funktionsstörungen und kraniomandibulären Disharmonien können über das Zähneknirschen und -Pressen hinaus die Kieferöffnung durch eine Kiefergelenkfehlstellung (unter Umständen mit einer Diskusverlagerung) stark beeinträchtigen. Auch kann eine durch Fehlkontakte gestörte Schlussbiss-Stellung die Kieferposition derart verlagern, dass es zu einer Kapselüberdehnung im Kiefergelenk kommen kann und zu sehr hartnäckigen Gelenkschmerzen (Arthralgien) oder gar Ohrgeräuschen (Tinnitus).

  • Zur Entwicklung einer CMD (carniomandibulären Dysfunktion) kann eine falsche Körperhaltung wesentlich beitragen.

    CMD-Ursache: Körperliche Fehlhaltungen

    Es muss jedoch bei der Differential-Diagnose auch berücksichtigt werden, dass körperliche Fehlhaltungen jenseits des Kieferbereichs (z.B. falsches und/oder zu langes Sitzen) Rückwirkungen auf das kraniomandibuläre System (Kopf/Nacken) haben können, die ein zunehmend intensiver werdendes Zähneknirschen und Kieferpressen auslösen oder verstärken können, was man dann als Bruxismus bezeichnet.

    In der zahnärztlichen Therapie gilt es deshalb primär, parafunktionelle Zahnkontakte sowie auch Zahnfehlstellungen mithilfe eines adjustierten (also individuell angepassten) Aufbissbehelfs (=Schiene) so „auszuschalten“, dass nächtliches Knirschen und Pressen verhindert wird, die Kiefermuskeln entspannen können und die Kieferprobleme allmählich zur Ruhe kommen. Dazu gibt es eine Vielzahl an Knirschschienen mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen.

Stress als weitere Ursache für CMD

Ähnliches kann jedoch auch durch psychische Anspannungen ausgelöst werden, indem versucht wird, den Stress auf den sehr harten und höckerigen Kauflächen der Backenzähne durch parafunktionelle Kieferbewegungen wie Reiben und Pressen abzubauen. Man geht ja schließlich auch ins Fitness-Studio und sucht sich ein Gerät aus, z.B. einen Seilzug mit Gewichtscheiben, eine Langhantel, einen Punchingball oder Boxsack oder eine Beinpresse, und wir freuen uns, wenn dann die angestauten Spannungen im Gewebe nachlassen.

Eine ähnliche Reduktion der Symptome rund um Kopf und Mund strebt unser „kraniomandibuläres Unterbewusstsein“ ebenfalls an, und es boxt und drückt und presst und schiebt, bis es durch die Fehlbelastung im Gelenk knackt oder Schmerzen auftreten oder etwas bricht – z.B. ein Zahnhöcker oder eine teure Keramikkrone oder Füllung.

  • Die Verspannungen bei Bruxismus und CMD reichen vom Bereich des Nackens oft bis zum Becken.

    Ausstrahlen - Fernwirkung

    Doch damit nicht genug. Diese Anspannungen und parafunktionellen Kräfte, also diese Fehlfunktionen im Kopfbereich bleiben nicht lokalisiert sondern strahlen als eine komplexe Symptomatik über die Nervenbahnen in den Hals, den Nacken, die Schultern, die Wirbelsäule aus – ja bis in den Beckenbereich und darüber hinaus.

    Weil die Nerven in der Muskulatur diese Verkrampfungen dem Zentralcomputer „Gehirn“ melden, um Abhilfe zu schaffen, nimmt der Körper fast automatisch eine andere Haltung ein, um den Verspannungs- und Verhärtungsschmerzen in der Muskulatur auszuweichen oder sie mindestens zu reduzieren – es verändert sich allmählich die Körperhaltung: Man hält den Kopf schief in einer sogenannten Schonhaltung und läuft unter Umständen gebückt oder gekrümmt, ohne selbst zu bemerken, dass man nicht mehr aufrecht geht. Diese Verspannungen werden allmählich chronisch, man gewöhnt sich beinahe daran und übersieht sogar oft, wo sie ihren Ursprung haben – im Kiefer. Das sind dann die «craniomandibulären Dysfunktionen» und ihre Symptomatik.

    Umgekehrt kann z.B. ein Beckenschiefstand infolge einer Beinlängendifferenz eine Körperfehlhaltung auslösen, die einen Einfluss auf die Balance des Kopfes auf der Wirbelsäule nimmt, was dann wieder die Position des Unterkiefers verschiebt, die Kaumuskulatur irritiert und schließlich einen Bruxismus mit CMD auslösen oder verstärken kann.

Interdisziplinäre Therapie von CMD

Schließlich sucht man den Physiotherapeuten oder den Arzt auf, weil man „das Brett“ in Rücken und Schulter und die Schmerzen im Kopf und Gesicht nicht mehr aushält. Dort wird man auf die CMD aufmerksam gemacht und, zusätzlich zur unterstützenden Schmerz- und Physiotherapie, meist auf den Zahnarzt verwiesen, wo eine Knirschschiene (Aufbissschiene, Okklussionsschiene, Michiganschiene oder Äquilibrierungsschiene) und eine zahnärztliche Anti-Bruxismus-Therapie durchgeführt werden soll.

Das ist grundsätzlich ein sehr guter Ansatz, da sich nämlich die ärztliche, zahnärztliche und die physikalische Therapie interdisziplinär ergänzen, also gemeinsam in verschiedenen Fachrichtungen um die Behandlung der Beschwerden kümmern. In manchen Fällen haben nämlich die chronischen Verkrampfungen sich derart verfestigt, dass eine medikamentöse Schmerztherapie oder eine zahnärztliche Schienentherapie, sowie auch physiotherapeutische Behandlungen und Übungen allein die beeinträchtigenden Störungen nicht wirklich dauerhaft beheben können.

Die zahnärztliche CMD-Therapie

Eine zahnärztliche CMD-Therapie ist deshalb ein wichtiger Aspekt, da sich nämlich die interdisziplinäre Herangehensweise in Form der physikalischen, ärztlichen und zahnärztlichen Therapie, hervorragend ergänzen, sich also gemeinsam um die Behandlung der Beschwerden kümmern. In manchen Fällen haben nämlich die chronischen Verkrampfungen sich derart verfestigt, dass eine medikamentöse Schmerztherapie oder eine zahnärztliche Schienentherapie, sowie auch physiotherapeutische Behandlungen und Übungen allein die beeinträchtigenden Störungen nicht wirklich dauerhaft beheben können.

Beim Zahnarzt geht es primär darum, parafunktionelle Zahnkontakte sowie auch Zahnfehlstellungen mithilfe eines adjustierten (also individuell angepassten) Aufbissbehelfs so „auszuschalten“, dass nächtliches Knirschen und Pressen verhindert wird, die Kiefermuskeln entspannen können und die Kieferprobleme allmählich zur Ruhe kommen.

Um diese Störfaktoren zunächst einmal zu umgehen und schnelle Linderung zu verschaffen, werden die allgemein bekannten Knirschschienen ihren unterschiedlichsten Ausführungen angewandt. Eine besondere Stellung nimmt in dieser Schienentherapie unser therapeutisches Konzept in der Kombination der Mini-Knirschschiene NiteSkater© mit der «Megason» Hochfrequenz Ultraschalltherapie ein.

Psychische Komponenten der CMD-Therapie

Vollständigkeitshalber müsste man auch erwähnen, dass in diesem ganzen Geschehen noch eine weitere Therapie mit berücksichtigt werden sollte, nämlich die Psychotherapie, denn Stress kommt nie von außen – man empfindet das Geschehen in der Außenwelt als Stress im Inneren.

Das ganze Leben auf der Erde ist eine Schulung für den Umgang mit Stress. Man könnte den Stress auch eine „Hürde“ nennen. Stress bedeutet Hindernisse, die man zu überwinden lernen muss/kann, denn daran wächst der Mensch. Stress kann somit auch als Schulung oder Hausaufgabe gesehen werden. Probleme – und solche gibt es immer im Leben – können viel schneller und besser gelöst werden, wenn man ruhig bleibt und das Problem analysiert. Nur in der Hektik und Rastlosigkeit, in Vorwurfshaltung und Schuldzuweisung entwickelt sich aus einem Problem der Stress, der doch eigentlich sagen möchte: „Mensch! Komm mal runter, atme durch!“ Lesen Sie mehr zur inneren Therapie von Stress - der Selbstanalyse.

Natürlich werden durch physikalische Therapien und zahnärztliche temporo-mandibuläre Funktionsanalysen, Knirscherschienen und Entspannungsmaßnahmen, sowie durch eine kritische Selbstanalyse oder fachliche Psychotherapie, Fehlstellungen von Zähnen und schlecht passende Kronen und Brücken noch nicht verbessert oder korrigiert. Aber die akuten Schmerzen, die Fehlstellungen der Kiefer, die nächtlichen Verspannungen im Kieferbereich und die Schlafstörungen können deutlich verringert werden, sodass eine zahnärztliche Therapie zur Verbesserung der Passgenauigkeit der Zähne oder die Entfernung von Störfaktoren im Gebiss überhaupt erst einmal in einem entspannten Zustand geplant werden kann.

  • Kostenerstattung bei CMD (craniomandibulärer Dysfunkltion)

    Kostenerstattung

    Die Behandlung von Bruxismus und damit verbundener CMD ist sowohl eine Kassenleistung wie auch eine Privatleistung. Gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen erstatten die zahnärztlichen und labortechnischen Leistungen im vertraglich beschriebenen Umfang. Die Form der Schiene, die zur Behandlung von Bruxismus und CMD ausgewählt wird, spielt dabei keine Rolle.

    In sehr komplexen Fällen mit aufwändigen Diagnose-Verfahren und Vermessungen der Kiefergelenke und Kiefergelenkbewegungen ist es ratsam einen Kostenvoranschlag bei der privaten Krankenversicherung oder der privaten Zusatzversicherung einzureichen. Bei der gesetzlichen Krankenkasse kann es sein, dass gewisse diagnostische (gnathologische) Maßnahmen aus dem Heil- und Kostenplan nicht genehmigt werden.